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Die, die sich mit fremden Federn schmücken: CDU-Großaufgebot in Karsdorf


Wieder einmal das gleiche Schauspiel: Ein Familienunternehmen steckt über 50 Millionen Euro in eine neue, effizientere Zementmühle am Standort Karsdorf. Und was passiert? Die CDU-Prominenz aus Sachsen-Anhalt stürzt sich wie die Geier auf den Spatenstich, posiert mit Schaufeln, postet begeisterte Selbstbeweihräucherung und tut so, als hätten sie persönlich den Beton gemischt und die Millionen aus dem eigenen Portemonnaie gezaubert.



Eva Feussner (CDU, Ex-Bildungsministerin) jubelt auf Facebook: „50 Millionen Euro für den Standort Karsdorf!“ – als wäre das ein Geschenk der Landes-CDU und nicht die Entscheidung der Eigentümerfamilie Thomas aus Simmern. Dieter Stier (CDU, Mitglied im Budnestag) schwärmte von Bekenntnis zum Standort und Nachhaltigkeit. Und der Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) persönlich ließ es sich nicht nehmen, bei diesem „Zukunftsprojekt“ mit dabei zu sein. Das CDU-Großaufgebot stand dicht gedrängt, die Kameras klickten, die Pressemitteilungen flossen – alles unter dem hehren Banner von regionaler Wirtschaftsstärke und Klimaschutz.



Nur: Auf dem Rednerpult prangte am 7.8.2026 unübersehbar der Hinweis „Gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages“. Die Investition der thomas zement GmbH wird also – wie Branchenberichte bestätigen – mit Bundesmitteln unterstützt. Steuerzahlergeld aus Berlin, beschlossen im Bundestag, nicht etwa aus irgendeinem sachsen-anhaltischen CDU-Zauberhut. Wie hoch genau der Zuschuss ist, bleibt in den öffentlichen Verlautbarungen der Landespolitiker erstaunlich vage. Man redet lieber von den „mehr als 50 Millionen Euro“ der Firma und der „signifikanten Effizienzverbesserung“ – und schweigt über den genauen Anteil, den der Bund (sprich: wir alle) beisteuert.



Und als wäre das noch nicht peinlich genug, lässt Schulze am 11. August 2026 hinterher auf dem offiziellen Facebook-Profil Sachsen-Anhalt.de noch einen richtigen Steuerzahler-Propaganda-Clip nachschieben. Drohnenaufnahmen natürlich. Der Ministerpräsident posiert und spricht:
„Wenn man in der DDR über das Thema Zementproduktion gesprochen hat, dann war immer das Thema Karsdorf. Und nach der Wende haben das einige Unternehmen übernommen. Es ging immer hin und her und mittlerweile ist das Unternehmen thomas zement hier. Das ist ein familiengeführtes Unternehmen, was vor einigen Jahren hier den ganzen Standort gekauft hat und dafür sorgt, dass die Arbeitsplätze, dass die Jobs hier erhalten bleiben. Heute haben wir hier eine 50-Millionen-Euro-Investition gefeiert. Hier wurde heute der Spatenstich gemacht basierend auch auf einer richtig guten Zusammenarbeit, die wir als Landesregierung, die Landesverwaltung mit dem Unternehmen hat. Schnelle Genehmigungen, schnelle Rahmenbedingungen setzen, gleich hier vor Ort sein, wenn es um Investitionen geht und zu helfen, dass dadurch die Arbeitsplätze, die Jobs für die nächsten Jahrzehnte auch sicher sind.“
Man höre und staune: „Arbeitsplätze erhalten“. Nicht schaffen, nicht ausbauen, nicht wachsen lassen – bloß erhalten. Das ist die ganze ambitionierte Botschaft. Und die Geschichte, die Schulze so beiläufig abhandelt, ist deutlich weniger glorreich, als er sie darstellt.

Zu DDR-Zeiten war das VEB Zementwerk Karsdorf ein Monster: 1981 rund 3.200 Beschäftigte, produzierte etwa ein Drittel des gesamten DDR-Zements. Nach der Wende übernahm Lafarge den Betrieb. Die Belegschaft wurde brutal zusammengestrichen – innerhalb kurzer Zeit von rund 1.800 auf 650 und dann weiter nach unten. Heute arbeiten dort noch etwa 200 bis 240 Menschen. Keine Insolvenz des Werks selbst, aber ein ständiges Hin und Her der Eigentümer: Lafarge (Frankreich) → nach der Holcim-Fusion zwangsläufig an den irischen CRH-Konzern (Opterra) → gescheiterter Verkaufsversuch an Schwenk 2017 (Kartellamt stoppte) → Ende 2022/Anfang 2023 an die thomas-Gruppe aus dem Hunsrück. „Es ging immer hin und her“, sagt Schulze. Stimmt. Und am Ende steht ein Standort, der seit der Wende massiv geschrumpft ist und dessen Jobs man heute feiert, weil sie nicht weiter abgebaut werden.

Mehr als „erhalten“ ist offenbar nicht drin

Kein Wort von Wachstum der Beschäftigtenzahlen, kein Anspruch auf neue Perspektiven jenseits der Bestandssicherung. Stattdessen Drohnenvideos auf Staatskosten, in denen der Ministerpräsident die bloße Nicht-Schließung als großen Erfolg der Landesregierung verkauft. Private Investition plus Bundesförderung plus ein bisschen Genehmigungsbeschleunigung – und schon wird daraus die Heldengeschichte der CDU-Standortpolitik.

Wer sich so penetrant mit den Erfolgen anderer schmückt und dabei die eigene historische Bilanz (drastischer Jobabbau seit der Wende) schönredet, entlarvt vor allem eines: den Hunger nach öffentlichen Bildern und den Mangel an eigenen, handfesten Erfolgen, die man nicht erst umetikettieren muss. In Karsdorf wurde nicht Politik gemacht – dort wurde posiert. Und die Steuerzahler dürfen zusehen, wie ihre Bundesmittel und die Produktionskosten der Staatskanzlei zur Kulisse für die nächste CDU-Imagekampagne werden. „Arbeitsplätze erhalten“ – das ist die Latte, unter der man in Sachsen-Anhalt längst durchgelaufen ist.


Verfasser: АИИ  |  13.08.2026  |  Text- und Bildinhalte können zum Teil mit oder durch KI generiert sein.
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