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Rückblick auf die große Illusion: Der „Jobmotor“ Erneuerbare Energien in Sachsen-Anhalt - Versprechen von 2021 vs. Realität 2026


Am 17. September 2021 debattierte der Landtag von Sachsen-Anhalt über den Antrag der Grünen-Fraktion „Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigen als Jobmotor für Sachsen-Anhalt“.


Cornelia Lüddemann (Grüne) malte ein strahlendes Bild der Zukunft: „Die Wirtschaft von Sachsen-Anhalt profitiert schon seit Langem von den erneuerbaren Energien. Das Land hat über Jahre hinweg die meisten Arbeitsplätze pro Einwohner in den erneuerbaren Energien vorzuweisen. Die Energiewende ist der Jobmotor in Sachsen-Anhalt.“ Sie zitierte Ökonom Jens Südekum: „Das Land, das als Erstes die Klima- und Ressourcenneutralität erreicht, hat seine wirtschaftliche Basis auf den Weltmärkten für Jahrzehnte gesichert.“ Deutschland – mit Sachsen-Anhalt an der Spitze – müsse bis 2035 klimaneutral wirtschaften. Pflicht-Solar auf Dächern, 2 % Fläche für Wind, grüner Wasserstoff für die Chemieindustrie, kein Masterplan, sondern Umsetzung.


Fünf Jahre später, Mitte 2026, blicken wir auf die Ergebnisse dieser Politik. Die Bilanz ist ernüchternd bis katastrophal – vor allem, wenn man die euphorischen Versprechen mit harten Fakten vergleicht.

Der versprochene Boom bleibt aus – Stromeinspeisung stagniert oder sinkt

Lüddemann und die Grünen versprachen, dass mehr installierte Leistung bei Wind und Sonne automatisch zu mehr sauberem Strom und wirtschaftlichem Aufschwung führen würde. Die Realität 2025/2026 zeigt etwas anderes: Trotz weiterem Zubau bei Solar (und teils Wind) führte der Ausbau nicht zu einem deutlichen Anstieg der tatsächlichen Stromeinspeisung. Windkraft litt 2025 unter schlechten Windverhältnissen – die Erzeugung sank um rund 3-4 % gegenüber 2024 (ca. 131 TWh bundesweit, Onshore-Rückgang). Solar legte stark zu, kompensierte teilweise, doch der Gesamtertrag der Erneuerbaren blieb weitgehend stabil (Anteil um 55-56 % der Nettostromerzeugung). Es gab sogar Hinweise auf Rückgänge im Ertrag im Vergleich zu windstärkeren Vorperioden.


In Sachsen-Anhalt, einst Vorreiter, spiegelt sich das wider. Der Ausbau stockte phasenweise, Repowering kam nur schleppend voran. Die von den Grünen geforderte massive Flächenwidmung (2 %) und Solarpflicht hätten Landschaft und Akzeptanz weiter belastet – ohne proportionalen Ertragszuwachs, weil Wetter und Systemintegration (Speicher, Netze) die Grenzen aufzeigen. AfD-Redner wie Hannes Loth und Daniel Roi warnten bereits 2021 vor der fehlenden Grundlastabsicherung und Abhängigkeit von Importen an windstillen Tagen. Die Debatte zeigte: Die Grünen setzten auf Speicher und „gute Beispiele“ wie Tesvolt oder Kavernen in Bad Lauchstädt – doch diese lösten das Intermittenz-Problem nicht annähernd. Der größte Speicher der Welt decke Deutschlands Grundlast nur Sekunden, spottete ein AfD-Abgeordneter. Fünf Jahre später ist die Versorgungssicherheit weiter ein Dauerthema.


Jobmotor? Eher Jobvernichter und Deindustrialisierung

Lüddemann warnte die neue schwarz-rot-gelbe Regierung: „Sonst werden Sie am Ende dieser Legislaturperiode zahlreichen Menschen erklären müssen, warum Arbeitsplätze abgebaut, aber keine neuen zukunftsfähigen Arbeitsplätze geschaffen wurden.“ Ironischerweise traf diese Prognose die eigene Ideologie hart. Zwar gibt es weiter Jobs in der RE-Branche (ca. 26.000 in Sachsen-Anhalt 2026, einzelne Erweiterungen wie bei Enercon), doch der große „Motor“ blieb stotternd. Höhere Energiepreise über Jahre, bürokratische Hürden und unsichere Rahmenbedingungen trieben energieintensive Industrie (Chemie, Metall) in die Enge. Bundesweit klagen Studien über Deindustrialisierung: Hohe Strompreise als Standortnachteil, Abwanderung, Pleiten im Mittelstand.


Die Grünen ignorierten 2021 Warnungen der AfD und anderer: „Die gescheiterte Energiewende ist kein Jobmotor, sondern ein massives Arbeitsplatzvernichtungsprogramm“ (Dr. Jan Moldenhauer, AfD). Die Kosten der Energiewende in die Billionen, höchste Strompreise weltweit (mit Ost-West-Gefälle) – genau das, was Kritiker prophezeiten. Grüner Wasserstoff blieb teuer und begrenzt, die Chemieindustrie in Sachsen-Anhalt profitiert nicht wie versprochen. Stattdessen Subventionen, Netzentgelt-Zuschüsse und Industriestrompreis-Diskussionen 2026, die eher Symptombehandlung als Erfolg sind.

Sandra Hietel (CDU) erinnerte 2021 an frühere Grüne-Beschlüsse und den Repowering-Bericht, der zeigte, dass man mit bestehenden Flächen viel erreichen könne – ohne neue „Zustellung“ der Landschaft. Die Grünen forderten trotzdem Zwang und Tempo. Heute sehen wir: Akzeptanzprobleme, Artenschutz-Konflikte und bürokratische Verzögerungen halten an. Die versprochene Beteiligung der Kommunen (Außenbereichsabgabe etc.) milderte Widerstände nur begrenzt.


Klimaneutralität 2035? Eine groteske Ambitionslücke bleibt

Lüddemann warf der Regierung „Stillstand“ und „massive Ambitionslücke“ vor, forderte 2030-Kohleausstieg und 2035-Klimaneutralität. Fünf Jahre später ist Deutschland noch immer weit entfernt. Der Anteil Erneuerbarer stieg langsam, aber nicht revolutionär; fossile Backup-Kapazitäten (Gas) blieben nötig. Die „beherrschbare Klimakrise“ als Grundvoraussetzung für alles? Stattdessen hohe Folgekosten, Abhängigkeiten und eine Politik, die reale Industrie-Arbeitsplätze opferte für symbolische Ziele.

Die LINKE und SPD teilten Teile der Kritik an mangelndem Tempo, forderten aber ähnliche Wege. Die FDP mahnte Bürgerbeteiligung und vermied Zwang. Die AfD nannte es „Klimawahnsinn“ und Planwirtschaft – eine Einschätzung, die mit der wirtschaftlichen Realität 2026 deutlicher denn je korrespondiert.


Umsetzungsproblem? Eher Erkenntnisproblem

Cornelia Lüddemann sagte 2021: „Sachsen-Anhalt hat kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem.“ Falsch. Das eigentliche Problem war und ist das fehlende realistische Erkenntnis der Grenzen wetterabhängiger Energien, der volkswirtschaftlichen Kosten und der technischen Machbarkeit ohne massive Speicher/Netze/Backup. Der Ausbau brachte mehr installierte Leistung, aber keinen proportionalen sicheren Ertrag, keine billige Energie und keinen nachhaltigen Job-Boom, der die Verluste in der konventionellen Industrie ausglich.

2026 steht Sachsen-Anhalt vor denselben Problemen wie 2021 – nur mit höheren Schulden, teurerer Energie und einer geschwächten Industrie. Die grüne Vision von 2021 war keine Vision, sondern eine teure Illusion. Zeit für eine ehrliche Bestandsaufnahme statt neuer Masterpläne. Die Bürger und die Wirtschaft haben die Rechnung bereits bezahlt.

Das verworfene Worst-Case-Szenario des IPCC

Während Cornelia Lüddemann 2021 noch von einer „beherrschbaren Klimakrise“ als absoluter Grundvoraussetzung für jede Zukunftsvision sprach und vor Horrorszenarien mit tödlichen Hitzewellen, Dürren und Hungersnöten warnte, hat die Wissenschaft selbst inzwischen eine deutliche Korrektur vorgenommen. Das extremste und am häufigsten zitierte Worst-Case-Szenario des IPCC, RCP8.5 (bzw. sein Nachfolger SSP5-8.5), wurde 2026 offiziell als „implausibel“ eingestuft und für den nächsten IPCC-Bericht (AR7) weitgehend verworfen. Dieses Szenario, das einen nahezu ungebremsten Kohle-Boom und eine Erwärmung von fast 5 °C bis 2100 annahm, hatte jahrelang die alarmistischsten Prognosen und Forderungen nach radikaler Transformation genährt – auch in Sachsen-Anhalt.


Die Begründung der Wissenschaftler: Sinkende Kosten erneuerbarer Energien, reale Emissionsverläufe und Politikmaßnahmen machen das Horrorszenario unrealistisch. Statt panischer 2035-Klimaneutralität als einziger Rettung zeigt sich, dass die Welt den extremsten Pfad bereits verlassen hat. Dennoch blieb die grüne Rhetorik in Sachsen-Anhalt auf dem alten Skript: maximale Ambitionen, Zwang und Flächenverbrauch – unabhängig davon, ob die dramatischsten Bedrohungsszenarien noch haltbar sind. Die „groteske Ambitionslücke“, die Lüddemann der damaligen Regierung vorwarf, wirkt im Rückblick wie eine selbst erzeugte Panik, die teure und wirtschaftsschädliche Maßnahmen rechtfertigen sollte.

Die Realität in der Chemieindustrie – vom „Zukunftsmarkt grüner Wasserstoff“ zur Insolvenz

Besonders bitter zeigt sich das Scheitern der grünen Vision bei der vielbeschworene Chemieindustrie Sachsen-Anhalts. Lüddemann hatte 2021 vollmundig erklärt: „Nur damit kann die innovations- und leistungsstarke Chemieindustrie in unserem Land den Zukunftsmarkt grünen Wasserstoff wirklich erschließen.“ Fünf Jahre später kämpft genau diese Branche mit einer der schwersten Krisen seit der Wende – geprägt von hohen Energiepreisen, unsicheren Rahmenbedingungen und fehlender Wettbewerbsfähigkeit.

Ein trauriges Symbol ist das Chemieunternehmen DOMO in Leuna. Ende 2025 meldete der belgische Konzern für seine deutschen Tochtergesellschaften (darunter zwei in Leuna) Insolvenz an. Rund 500 Arbeitsplätze in Leuna gerieten in akute Gefahr. Das Land Sachsen-Anhalt musste mit fast 80 Millionen Euro Steuergeldern einen Notbetrieb anordnen, um Sicherheitsrisiken und einen unkontrollierten Shutdown zu verhindern. Nur Monate später folgte bereits die nächste Insolvenz der Auffanggesellschaft – ein Zeichen tiefer struktureller Probleme, die durch hohe Strom- und Energiekosten massiv verschärft wurden. Statt neuer Jobs durch grünen Wasserstoff drohten Abbau und Abhängigkeit von Subventionen.

Auch bei der MIBRAG, einem weiteren zentralen Player im mitteldeutschen Revier, blieb der von Grünen und anderen propagierte grüne Wasserstoff-Traum aus. Trotz früher Ankündigungen und politischer Unterstützung für einen 90-MW-Elektrolyseur in Profen wurde das Projekt verschoben und nicht realisiert. Statt Transformation hin zu grüner Wasserstoffproduktion dominieren weiterhin Herausforderungen durch Kohleausstieg, fehlende Infrastruktur und unwirtschaftliche Rahmenbedingungen. Die versprochene Brücke vom fossilen zum „grünen“ Zeitalter erweist sich als brüchig – mit realen Arbeitsplatzrisiken statt dem angekündigten Jobmotor.

Diese Entwicklungen in Leuna und im Braunkohlerevier machen deutlich: Die einseitige Fixierung auf beschleunigten Ausbau von Wind und Solar bei gleichzeitiger Verteuerung konventioneller Energie hat die energieintensive Industrie nicht gestärkt, sondern geschwächt. Statt „Sicherung bisheriger Arbeitsplätze und Schaffung neuer zukunftsfähiger Jobs“ (Lüddemann) erleben wir Deindustrialisierungstendenzen, staatliche Rettungsaktionen mit Steuergeld und eine Chemiebranche, die um ihr Überleben kämpft. Der „Jobmotor Erneuerbare“ hat in der Praxis vor allem Subventionsmotor und Belastungsmotor für die traditionelle Industrie bedeutet.


Erneuerbare Energien rechnen sich nicht ohne Subventionen

Ein weiterer zentraler Kritikpunkt an der grünen Vision von 2021 ist die Behauptung, Wind- und Solarenergie seien bereits wettbewerbsfähig und würden ohne massive staatliche Unterstützung einen echten Jobmotor darstellen. Cornelia Lüddemann und ihre Fraktion präsentierten den Ausbau als selbsttragende Erfolgsgeschichte. Die Realität 2026 zeigt jedoch etwas anderes: Ohne Subventionen, garantierte Einspeisevergütungen, Marktprämien oder Ausschreibungen mit festen Fördersätzen rechnen sich die meisten neuen Wind- und Solarprojekte in Deutschland weiterhin nicht oder nur eingeschränkt.

Trotz gesunkener Erzeugungskosten (LCOE) liegt der tatsächliche Marktwert der eingespeisten Energie oft deutlich niedriger, vor allem durch das sogenannte Cannibalization-Effekt: Wenn viel Wind- oder Solarstrom gleichzeitig produziert wird, drücken die Preise an der Börse stark ab. Große Projekte sind auf die EEG-Förderung (heute weitgehend aus dem Bundeshaushalt finanziert) oder vergleichbare Mechanismen angewiesen, um rentable Renditen zu erzielen. Experten weisen darauf hin, dass besonders Anlagen an weniger optimalen Standorten ohne diese Absicherung unwirtschaftlich wären. Der angebliche „Jobmotor“ basiert somit nicht auf freiem Markt und echter Wettbewerbsfähigkeit, sondern auf einer dauerhaften Subventionslogik, die den Steuerzahler belastet und die Strompreise strukturell hoch hält. Fünf Jahre nach der Debatte zeigt sich: Der Ausbau wäre ohne diese staatlichen Garantien deutlich langsamer und weniger attraktiv für Investoren ausgefallen – ein klares Indiz dafür, dass die Technologie noch nicht marktreif im vollen Sinne ist.
Verfasser: АИИ  |  22.06.2026
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