Rollstuhlfahrer sind auch Nazis - meinen Eric Stehr (Die Linke) und Andreas Heidrich (Wir Wißenfelser)? - Grit Wagner mit ihren anderen Eindrücken zur Simson-Ausfahrt der AfD am 26.07.2026
So schnell kann es gehen. Auch Menschen im Rollstuhl, Menschen mit Behinderungen können Nazis sein - zumindest nach Auffassung der Weißenfelser Stadträte Eric Stehr (Die Linke) und Andreas Heidrich (Wir Wißenfelser).
In einem Statement auf Facebook präsentieren sich die Weißenfelser Stadträte Eric Stehr (Die Linke) und Andreas Heidrich (Wir Weißenfelser) im Vorfeld der Simson-Ausfahrt der AfD am 26.07.2026. Organisiert wurde für den Sonntagmorgen, dass Bürger den Marktplatz mit Kreide bemalen und auch ihre Meinungsäußerungen kundtun.
Im Post auf Facebook heißt es:
Gemeinsam mit 80 Menschen aus Weißenfels haben wir heute den Markt verschönert – für Vielfalt und Toleranz und gegen rechte Hetze. Anders als bei der anderen Veranstaltung, wo die Leute weit angereist sind.
In Weißenfels ist kein Platz für Nazis und ihre Geschichtsvergessenheit.
Wir danken allen Aktiven, die dem spontanen und unabhängigen Aufruf gefolgt sind!
Im Clip erklärt Eric Stehr noch einmal, dass ein Zeichen gegen Nazis in dieser Stadt gesetzt wird.
Wer sich allerdings die Livestreams hinsichtlich der Simson-Ausfahrt angeschaut hat, konnte darin Menschen mit Behinderung und auch Menschen im Rollstuhl erblicken, mit denen herzlich umgegangen wurde.
Geht man davon aus, dass Eric Stehr und Andreas Heidrich wissentlich nicht differenzieren wollen, bedeutet dies, dass aus deren Sicht nun auch Menschen mit Behinderung und Menschen im Rollstuhl der Gruppe der „Nazis“ zugehörig sein können, die in Weißenfels nicht gewollt sind.
Der Clip von Stehr und Heidrich endet mit einem Ausschnitt des Songs von Danger Dan, in dem es heißt: „Zeig mich an und ich öffne einen Sekt. Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt!“ Wobei ich mir bei solchen Statements nicht sicher bin, dass dies tatsächlich von der Kunstfreiheit gedeckt sein dürfte.
Die beiden Herren Stadträte können sicherlich ihrer Meinung sein, doch bringen sie dadurch nicht wirklich viel Vielfalt und Toleranz zum Ausdruck.
Grit Wagner über ihre Eindrücke vom 26.07.2026
Ein Sonntag auf dem Markt – zwischen Simson-Ausfahrt und politischen Gesprächen
Ankunft auf dem Markt
Angekommen gegen 12.30 Uhr auf dem Markt, konnte man die positive Stimmung der Menschen wahrnehmen. So gut gefüllt war der Markt lange nicht mehr, nur weil sich ein „Abgeordneter“ angekündigt hat. Ulrich Siegmund hat zu einer Simson-Ausfahrt eingeladen.
In den letzten Tagen und Wochen wurde die Ausfahrt von kritischen Stimmen stark verurteilt und in den Zusammenhang mit der jüdischen Familie Simson gebracht. Nach meinem Wissen wurde aber das erste Nachkriegs-Kultmoped SR1 erst ab 1955 gebaut. Sicherlich muss sich jeder selbst darüber sein Urteil bilden, wie er damit umgeht.
Mein erstes Moped war eine gelbe Schwalbe, welche mir beim Fahren das Gefühl von einem Stück Freiheit schenkte. Dieses Gefühl habe ich mir im Laufe meines Lebens nicht rauben lassen, nur die Zweiradmarke hat sich geändert.
Beim Anblick der vielen motorisierten Zweiräder, vom SR2, Simson, Schwalbe bis hin zu modernen Fahrzeugen, hatte ich das Gefühl, dass es anderen genauso geht.
Was bewegt die Menschen?
Aber warum sind heute die Menschen so zahlreich erschienen? Was bewegt sie, hier zu sein?
Nach vielen Gesprächen und dem Zuhören war Unzufriedenheit mit Politik und Regierung der Hauptgrund. Für mich nachvollziehbar.
Die Landtagswahlen stehen am 6. September dieses Jahres an, und es wird fleißig von Altparteien Stimmungsmache gegenüber der AfD betrieben. Inwieweit diese Behauptungen der Wahrheit entsprechen oder nur Miesmache darstellen, ist schwer zu beurteilen.
Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Menschen das Gefühl haben, nicht gehört zu werden. Die Menschen wollen eine andere Regierungspolitik, doch die Regierung ignoriert diese Wünsche. Zumindest sind die Aussagen der Besucher am heutigen Tag so ausgefallen.
Bei der Frage, warum die Menschen so stark AfD wählen, bekam ich häufig die Antwort:
„Den Altparteien kann man nicht trauen. Die haben uns doch erst in die Schei…. gebracht. Und Merz ist der Schlimmste von allen.“Und die Menschen hatten irgendwie dieselben Argumente und Gründe, hier zu sein: eine Hoffnung in die AfD, dass sich die Politik ins Positive wandelt.
Mein persönliches Fazit: Wir wissen nicht, was wir mit der AfD bekommen, wissen aber, dass sich mit den Altparteien nichts ändert.
Die Simson-Ausfahrt
Irgendwann kam endlich der Zeitpunkt für die Ausfahrt. Der Anblick selber war atemberaubend. Die Gerüche, der Klang der Mopeds – altbekannt und unvergessen.
Wie oft waren wir früher in jungen Jahren mit der Clique und Mopeds unterwegs. Zusammenhalt stand für uns ganz oben. Wir fühlten uns als die „Kings“ auf zwei Rädern. Die Welt war für uns in Ordnung.
Es dauerte eine Weile, bis die Zweiräder den Markt verlassen hatten. Außerhalb des Marktes standen ja noch mehr Fahrzeuge. Doch die passten wohl nicht mehr drauf.
Hier und da noch ein paar Fotos gemacht und dann noch den restlichen Sonntag genießen. Dachte ich …
Begegnung mit den Gegendemonstranten
Auf der anderen Seite des Marktes, neben der Kirche, waren Gegendemonstranten. Durchaus legitim und zulässig. Wäre da nicht ein Schild dabei gewesen, welches andere Menschen mehr oder weniger beleidigt, weil sie AfD wählen.
Das machte mich durchaus neugierig. Und so kam ich nach einer Weile der Beobachtung eines Gesprächs mit einer älteren Dame ebenfalls ins Gespräch mit drei Gegendemonstranten.
Ich kann schlecht einschätzen, welches Alter sie hatten, denke mal zwischen 16 und 18 Jahren. Mich interessierte hauptsächlich, warum sie denn hier stehen und was sie damit erreichen möchten.
Tatsächlich waren die drei bereit, mit mir zu reden. Sie äußerten die Forderung nach Anerkennung eines freien Lebens und die Akzeptanz der Liebe, egal welches Geschlecht. Dafür trugen sie als Symbol die Regenbogenfahne bei sich.
Okay, aber die Akzeptanz war doch in der Gesellschaft lange schon da. Und soll die Akzeptanz nicht für alle zählen, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen?
Unterschiedliche Vorstellungen – gemeinsame Anliegen?
Ich fragte nach ihren Wünschen und Zielen für die Zukunft, wirtschaftlich und gesellschaftlich gesehen.
Ziele wie soziale Gerechtigkeit, bessere Aufteilung des Geldes und die Unterschiede zwischen Arm und Reich waren ebenfalls Argumente zur Veränderung. Alles nachvollziehbare Gründe.
Doch eben solche Argumente gab es auch auf der sogenannten anderen Anhängerseite (AfD). Sollte man nicht anfangen, gemeinsam ins Gespräch zu kommen?
Während unseres Gesprächs wurden wir mehrfach unterbrochen. Ich bin mir nicht sicher, ob das gewollt war, um das Gespräch zu beenden. So kam es mir persönlich vor.
Doch letztendlich haben sich drei junge Menschen und ich nicht davon abbringen lassen, miteinander zu reden, trotz „Aufpasser“ auf der Gegenseite.
Respekt, denn es gibt Menschen, die in der Lage sind, miteinander zu kommunizieren, ohne sich zu beleidigen.
Wir verabschiedeten uns mit einem freundlichen Händeschütteln, und ich gab ihnen noch einen gut gemeinten Rat:
Wenn sie die Welt etwas besser machen möchten, sollen sie es als Mensch machen, menschlich bleiben und ihre Mitmenschen so respektieren, wie sie respektiert werden möchten, und sich nicht von irgendjemandem instrumentalisieren lassen.Ich hoffe, sie haben es verstanden und denken darüber nach.
Mein Fazit
In zwei Sätzen gesagt: Es war ein sehr interessanter Tag mit vielen Eindrücken, unterschiedlichen Meinungen, und ich als Mensch habe etwas dazugelernt.
Wir sind noch nicht verloren, solange wir menschlich miteinander reden und umgehen können.
Grit Wagner
(Stadträtin in Weißenfels)
