SPD-Minister hat AfD-Aufnahme-Antrag gestellt! - Armin Willingmann, herzlich willkommen in der Realität!
Armin Willingmann, hat am 31. Juli 2026 auf Facebook einen Clip gepostet, der klingt, als hätte er sich die Regierungsprogrammseiten der AfD Sachsen-Anhalt abgeschrieben.
2000 Euro für jedes Neugeborene sei „kein Wahlgeschenk, das ist Notwendigkeit“. Im Jahr 2025 habe es „noch 12.300 Geburten“ gegeben (offiziell waren es laut Statistischem Landesamt 11.978), die Zahlen sänken seit Jahren, „wir werden immer weniger“, und das Land wolle sich an den „nicht unerheblichen Kosten“ des Nachwuchses „ein bisschen beteiligen“. Bravo, Herr Minister! Wie begeisternd, dass Sie das jetzt, wenige Wochen vor der Landtagswahl am 6. September 2026, endlich mitbekommen haben – und nicht schon vor vielen Jahren, als Sie längst in der Landesregierung saßen und die Kurve nach unten längst steil war.
Der AfD-Text, fast wortgleich Im Regierungsprogramm der AfD Sachsen-Anhalt steht an prominenter Stelle: „Als Zeichen der Unterstützung für angehende Eltern werden wir ein Baby-Begrüßungsgeld in Höhe von 2000 Euro für die ersten beiden Kinder und von 4000 Euro für jedes weitere Kind einführen.“ Zugangsvoraussetzung: deutsche Staatsbürgerschaft mindestens eines Elternteils und fester Erstwohnsitz beider Eltern in Sachsen-Anhalt seit mindestens einem Jahr. Die eine Hälfte nach der Geburt, die andere zum dritten Geburtstag, gekoppelt an Vorsorgeuntersuchungen (ohne Impfstatus-Bewertung). Genau das, was Willingmann nun als SPD-„Notwendigkeit“ verkauft – nur dass die AfD das schon länger und mit klarer demografiepolitischer Stoßrichtung formuliert hat. Andere AfD-Landesverbände und das Bundesprogramm fordern vergleichbare oder sogar höhere Prämien und Betreuungsgehälter. Willkommen im Club, Herr Willingmann. Der Aufnahmeantrag für die AfD scheint abgeschickt.
Willingmann folgt nur wenige Tage dem Vorbild von CDU-Ministerpräsident Sven Schulze, der sein Sprech mittlerweile auch sehr dem der AfD angeglichen hat, als ob er Mitglied in der AfD werden wollte.
Und im SPD-Programm?
In den öffentlichen Zusammenfassungen des SPD-Wahlprogramms „Mit Herz, Haltung und Zuversicht“ (MDR, Tagesschau u. a.) tauchen zinslose Kredite für bleibewillige Familien, Wegfall der Grunderwerbsteuer bei der ersten Immobilie, Eigenheimzulage, familienfreundliche Arbeitszeiten und beitragsfreie Kita auf. Ein pauschales 2000-Euro-Babygeld für jedes Neugeborene? In den offiziellen Programmpunkten zur Demografie und Familienförderung sucht man es vergebens. Es taucht eher in aktuellen SPD-Facebook-Reels und Willingmann-Aussagen auf – also genau jetzt, kurz vor der Wahl, als man die Fünf-Prozent-Hürde fürchtet und die AfD in Umfragen bei 40 Prozent plus liegt.Warum hat die SPD das nicht schon vor Jahren umgesetzt, als sie mitregierte und die Geburtenzahlen längst im freien Fall waren? Die Antwort liegt nahe: Weil es der Regierungspolitik zu teuer ist, weil man lieber andere Prioritäten setzte und weil demografischer Realismus lange als etwas galt, was man den „Populisten“ überlässt. Jetzt, wo die Zahlen nicht mehr zu leugnen sind, verfällt man in denselben „AfD-Populismus“, den man sonst so gerne brandmarkt – und stellt in Aussicht: Wählt uns doch noch einmal, dann gibt’s die 2000 Euro. Eventuell. Vielleicht. Oder auch nicht, wenn uns auffällt, dass es teuer bleibt.
Die Zahlen, die niemand übersehen konnte
Die Geburtenentwicklung in Sachsen-Anhalt seit der Wende ist ein Lehrstück in demografischer Katastrophe:- 1990: noch 31.837 Lebendgeborene
- Mitte der 1990er: Einbruch auf rund 14.000–14.500
- 2016: 18.092
- 2020: 16.113
- 2021: 16.024
- 2022: 14.506
- 2023: 13.550
- 2024: 12.526
- 2025: 11.978
Der Knick seit 2022/2023
Ab 2022 beschleunigte sich der bundesweite und ostdeutsche Geburtenrückgang massiv. Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) und Studien zu Deutschland und Schweden sehen beim abrupten Einbruch Anfang 2022 einen zeitlichen Zusammenhang mit dem Höhepunkt der Corona-Impfkampagne neun Monate zuvor: Viele Paare hätten den Kinderwunsch zunächst aufgeschoben, unter anderem wegen Unsicherheiten bei Impfempfehlungen für Schwangere. Danach setzte sich der Rückgang fort – offizielle Erklärungen nennen multiple Krisen (Ukraine-Krieg, Inflation, Unsicherheit). Kritiker gehen weiter und führen den anhaltenden Knick stärker auf die Impfstoffe selbst zurück. Andere Faktoren (Wirtschaft, Wohnkosten, Lebensgefühl, Abwanderung junger Frauen) spielen zweifellos mit. Fest steht: Der Trend war unübersehbar – und die Landespolitik hat jahrelang zugeschaut.Wie begeisternd also, dass Armin Willingmann das jetzt entdeckt hat! Kurz vor der Wahl, wenn die SPD ums Überleben kämpft, entdeckt der Minister plötzlich die „Notwendigkeit“ und greift tief in die AfD-Programmkiste. Jahrzehntelang hat man das Problem verwaltet, die Zahlen nach unten laufen lassen und Populismus-Vorwürfe an alle verteilt, die vor der demografischen Wüste warnten. Jetzt, im Wahlkampf-Endspurt, wird aus der Notwendigkeit plötzlich ein Wahlversprechen: Wählt SPD, dann gibt’s 2000 Euro pro Baby. Eventuell. Vielleicht. Unter Vorbehalt der Finanzierung und des Landeshaushaltes. Also wohl eher doch nicht.
Das ist kein Politikwandel. Das ist panischer Opportunismus in Reinkultur. Und ja: Es klingt verdammt nach einem Aufnahmeantrag bei der AfD. Herzlich willkommen, Herr Minister. Die Zahlen haben Sie ja endlich gelesen.
