SPD fordert: Verdoppelung Bus & Bahn! Wie aus einem Plakat ohne Vornamen eine Meisterleistung der Unverbindlichkeit wird
In Hohenmölsen, tief im Burgenlandkreis, hängt ein SPD-Wahlplakat. Darauf ein Mann. Kein Vorname. Einfach „SCHNEIDER SPD“. Dazu die Slogans: „Stabile Regierung und VERDOPPELUNG BUS & BAHN“. „Für unsere Heimat in Sachsen-Anhalt.“
Philosophieren wir kurz über diese Verdoppelung. Ist die Breite gemeint? Dann stehen künftig zwei Busse nebeneinander auf der Landstraße und blockieren den Gegenverkehr noch gründlicher. Die Höhe? Doppeldecker im flachen Sachsen-Anhalt – spektakulär, aber der erste niedrige Bahnübergang wird zum Erlebnis. Die Länge? Extra lange Gelenkbusse, die in den engen Ortskernen stecken bleiben wie ein LKW in einer Fußgängerzone. Oder ist die Taktung gemeint? Alle 60 Minuten statt alle 120? Wir wissen es nicht. Das Plakat schweigt. Schneider schweigt. Die SPD schweigt. Unverbindlichkeit als Markenkern.
Dabei regiert die SPD in Sachsen-Anhalt schon seit Jahren mit. Seit 2016 durchgehend in der Landesregierung – erst mit CDU und Grünen, dann ab 2021 mit CDU und FDP, und auch nach dem Wechsel zu Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) Anfang 2026 ist sie weiter dabei. Zehn Jahre Mitregieren. Genug Zeit, die Städte und Gemeinden so auszustatten, dass die Kreisumlage die Landkreise nicht mehr stranguliert und der ÖPNV tatsächlich wachsen könnte. Passiert ist … nichts. Die PVG Burgenlandkreis kämpft mit dem üblichen Mix aus knapper Kasse, Streiks (erst kürzlich gab es wieder mehrtägige Warnstreiks mit Ausfällen im Schüler- und Stadtverkehr in Naumburg, Weißenfels und Zeitz) und dem Versuch, mit EU-Mitteln Rufbusse auszutesten, die Menschen aus abgelegenen Dörfern zur nächstgelegenen Bushaltestelle bringen. Insgesamt Probleme, die nicht von gestern sind.
Und jetzt, mit Umfragewerten der SPD knapp über oder um die 5-Prozent-Marke herum, soll nach der Wahl plötzlich die große Verdoppelung kommen – vorausgesetzt, man wird trotz der aktuellen Zahlen wieder an einer Regierung beteiligt. Die Logik ist bestechend: Vor der Wahl nichts davon umgesetzt, aber für die Zeit nach der Wahl versprochen. Stabilität durch Ankündigung. Man kennt das.
Die Revolution im Personennahverkehr dank Bundeswehr
Aber halt, hier kommt der vielleicht erlösende Vorschlag aus der Kreativabteilung: Warum den ÖPNV nicht einfach mit der Bundeswehr verschmelzen? Soldaten gibt es genug. Fahrzeuge auch – Pritschenwagen, Mannschaftstransporter, und wenn’s richtig festlich wird, den einen oder anderen Schützenpanzer. Im Winter fährt man ohne Heizung. Abhärtung inklusive, die Bevölkerung im Burgenlandkreis wird robust. Schulkinder kommen im Panzer zur Schule – das ist nicht nur praktisch, sondern pädagogisch wertvoll. Frühe Freundschaft mit der Truppe erleichtert später den Einstieg in den Dienst. Kriegstüchtigkeit fängt bei der Schülerbeförderung an. Die Fahrzeuge werden regelmäßig bewegt und rosten nicht in den Kasernen vor sich hin. Die Kosten trägt der Bund bzw. die Bundeswehr. Der Landkreis spart. Und da die Bundesregierung und SPD-Verteidigungsminister Pistorius ohnehin fleißig aufrüsten und das Szenario eines Konflikts mit Russland nicht gerade kleinreden, passt alles wunderbar zusammen. Doppelnutzen! Verdoppelung! Schneider würde stolz nicken – falls er einen Vornamen hätte und man ihn fragen könnte.
Bis dahin bleibt das Plakat, was es ist: ein Mann ohne Vornamen, ein Slogan ohne Maßeinheit und eine Partei, die seit Jahren mitregiert und nun verspricht, was sie in der Vergangenheit längst hätte umsetzen können. „Stabile Regierung und Verdoppelung Bus & Bahn“. Man darf gespannt sein, ob nach der Wahl die Busse in die Breite, Höhe oder Länge wachsen – oder ob sie einfach weiter fahren wie bisher. Wenn sie denn fahren.
