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Das Magdeburger Märchen vom „sicheren, bezahlbaren und klimaneutralen“ Energiesystem: Willingmanns Papier als PR-Übung ohne harte Zahlen


Das Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt Sachsen-Anhalt unter Armin Willingmann (SPD) hat am 26. Oktober 2026 ein Papier mit dem Titel „Energiesystem Sachsen-Anhalt – Status quo, Szenarien und Perspektiven“ vorgelegt.



Begleitet von den üblichen Social-Media-Floskeln („sicher, bezahlbar und klimaneutral“, Emojis inklusive) soll es die Weichen bis 2045 stellen. Zwei Szenarien, viel Systemsprache, Verweise auf Bundes- und EU-Ziele, Stakeholder-Dialoge und das energiepolitische Zieldreieck. Was fehlt, ist das, was Bürger und Unternehmen wirklich interessiert: konkrete, nachprüfbare Angaben zu den künftigen Kosten.

Die große Leerstelle: Was kostet der Strom eigentlich?

Das Papier betont die „Bezahlbarkeit von Energie“ als Kern der Daseinsvorsorge und nennt aktuelle Belastungen durch hohe Preise und Netzentgelte. Es bleibt aber weitgehend stumm bei den entscheidenden Fragen: Was zahlt der Haushalt 2035 oder 2045 pro Kilowattstunde? Welche Bandbreiten für Industrie- und Gewerbestrom soll es geben? Welche Mehrbelastungen durch Netzausbau, Speicher, Backup-Kraftwerke und Umlagen? Solche Angaben fehlen weitgehend. Stattdessen gibt es allgemeine Bekenntnisse und Verweise auf Langfristszenarien und die Systementwicklungsstrategie des Bundes.

Genau hier setzen Kritiker der Energiewende seit Jahren an. Die Kosten laufen davon, während die Versprechen von sinkenden Preisen durch „billige“ Erneuerbare immer wieder in die Zukunft verschoben werden. Eine aktuelle KfW-/Prognos-Rechnung beziffert die Investitionen für die Klimaneutralität Deutschlands bis 2045 auf rund sechs Billionen Euro (6000 Milliarden). Das ist keine Randnotiz, sondern die Größenordnung, in der sich die Transformation bewegt. Ein erheblicher Teil fällt zwar ohnehin an (Ersatzinvestitionen), doch die zusätzlichen Lasten für Netze, Flexibilität, Speicher und Sektorenkopplung bleiben massiv – und werden letztendlich von Verbrauchern und Unternehmen getragen werden. Ökonomen wie Manuel Frondel halten sechs Billionen eher für die Untergrenze, weil vorgezogene Umstellungen und realistische Risiken höher ausfallen.

Die Systemkosten der Energiewende liegen bereits heute bei Dutzenden Milliarden pro Jahr (EEG-Restlasten, Redispatch, Netze, Reserven). Kritiker sprechen von Deindustrialisierung, Standortnachteilen und einer schleichenden Verarmung durch hohe Energiepreise. Deutschland hat im europäischen und internationalen Vergleich weiterhin sehr hohe Strompreise für Haushalte und Teile der Industrie. Die Hoffnung auf dauerhaft fallende Preise bleibt spekulativ: Manche Großhandelsprognosen sehen mittelfristig Rückgänge durch mehr Erneuerbare, doch Haushaltspreise hängen stark an Netzentgelten, Umlagen, Steuern und dem teuren Backup für Dunkelflauten. Ein nachhaltiger Rückgang auf ein tatsächlich niedrigeres Niveau ist alles andere als ausgemacht – viele Analysen rechnen eher mit anhaltend hohen oder nur moderat sinkenden Endkundenpreisen bei gleichzeitig steigender Nachfrage durch Elektrifizierung.

Wasserstoff: Die teure Illusion, die schon vor Ort scheitert

Das Papier setzt auf Wasserstoff und die Umnutzung von Gasinfrastruktur. Die Praxis sieht anders aus. Die MIBRAG hat das Elektrolyseur-Projekt am Standort Profen auf Eis gelegt bzw. massiv verlangsamt. Begründung: fehlende Wasserstoffinfrastruktur auf Jahre und mangelnde Abnehmer, die sich langfristig vertraglich binden. Es rechnet sich schlicht nicht. Ähnliche Probleme gab und gibt es bei anderen Vorhaben in der Region (etwa Finanzierungsschwierigkeiten in Leuna).

Grüner Wasserstoff ist und bleibt teuer. Aktuelle Gestehungskosten liegen oft im Bereich von mehreren Euro pro Kilogramm (teilweise 5–10 €/kg und mehr, je nach Strompreis und Auslastung; umgerechnet oft 150–300+ €/MWh). Erdgas liegt deutlich darunter. Selbst optimistische Szenarien mit fallenden Elektrolyseur-Kosten und billigem EE-Strom rechnen erst in den 2030er-Jahren mit Wettbewerbsfähigkeit – und das oft nur mit Subventionen, CO₂-Preisen oder Importen aus sonnen-/windreichen Regionen. Transport und Verluste treiben die Kosten weiter. Als breite Alternative zu Erdgas für Wärme, Industrieprozesse oder Backup-Kraftwerke ist grüner Wasserstoff ein Zuschussgeschäft. Wer das verschweigt, betreibt Schönfärberei.

Hier die einfachen Zahlen, die jeder verstehen kann:

Was kostet Wärme aus Gas – und was aus grünem Wasserstoff?

Das ist der entscheidende Vergleich für Haushalte: Mit anderen Worten: Wer heute mit Gas heizt und morgen auf grünen Wasserstoff umstellen soll, muss mit einer deutlich höheren Heizkostenrechnung rechnen – sofern überhaupt jemand den teuren Wasserstoff flächendeckend anbietet. Deshalb bleiben große Elektrolyse-Projekte oft in der Schublade.

Windkraft ohne Subventionen: Rechnet sich das wirklich?

Stromgestehungskosten (LCOE) für Onshore-Wind liegen je nach Standort und Annahmen grob bei 4–9 ct/kWh. An guten Standorten kann es darunter gehen, an durchschnittlichen oder schwachen darüber. Ohne EEG-Förderung oder vergleichbare Absicherung müssen die erzielbaren Marktpreise (Capture Prices) diese Kosten über die Lebensdauer decken – inklusive Kapitalverzinsung, Wartung und Risiko. Durch den Merit-Order-Effekt und die gleichzeitige Einspeisung vieler Anlagen sinken die erzielbaren Preise gerade dann, wenn der Wind weht („Kannibalisierung“). Viele Anlagen rechnen sich ohne Absicherung oder bei zu niedrigen Zuschlagswerten nicht oder nur knapp. Aktuelle Ausschreibungswerte und Erlöse liegen teilweise unter den mittleren Kosten an durchschnittlichen Standorten. Das System braucht weiterhin massive Netzinvestitionen, Speicher und gesicherte Leistung – Kosten, die nicht in der reinen LCOE-Rechnung (Levelized Cost of Electricity) der einzelnen Windanlage stecken.

Desinformation und geschönte Abhängigkeiten

Das Papier und begleitende Kommunikation verweisen gerne auf die Gasversorgung aus dem westlichen Teil Europas und betonen Resilienz durch den Abbau fossiler Importe. Dabei wird oft verschwiegen oder relativiert, dass Länder wie Belgien und die Niederlande in erheblichem Umfang Transitländer und Weiterverteiler von importiertem Gas (Norwegen, LNG aus diversen Quellen) sind – nicht primäre Produzenten in dem Maße, wie es suggeriert wird. Die Abhängigkeit von globalen Märkten, geopolitischen Risiken und teurem LNG bleibt. Sachsen-Anhalt hat große Speicherkapazitäten, was positiv ist, ändert aber nichts an der grundlegenden Importabhängigkeit und den Preisrisiken.

Systemanalyse ohne harte Transparenz

Das Papier liefert eine Ist-Analyse, benennt Trends und skizziert Szenarien im Rahmen der Klimaneutralität 2045. Es bleibt jedoch in entscheidenden Punkten vage dort, wo es für die Menschen konkret wird: Preise, Kostenverteilung, realistische Unwirtschaftlichkeit von Wasserstoff und die wahren Systemkosten der Volatilität. Die Energiewende in ihrer bisherigen Form hat hohe Strompreise, massive Subventions- und Infrastrukturlasten sowie ungelöste Backup- und Speicherfragen hinterlassen. Kritiker sehen darin kein Erfolgsmodell, sondern ein teures Experiment mit wachsendem Risiko für Industrie und Haushalte.

Wer „bezahlbar“ verspricht, muss Zahlen liefern – nicht nur Szenarien und Appelle an „Mut zu technologischem Fortschritt“. Solange konkrete Verbraucherpreise, realistische Wasserstoff-Kostenrechnungen und eine ehrliche Bilanz der Gesamtsystemkosten fehlen, bleibt das Papier vor allem politische Kommunikation. Die Rechnung zahlen am Ende die Bürger und die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt und ganz Deutschland.

Mit diesem Energiesystem hat Deutschland im globalen Wettbewerb keine Zukunft als Industriestandort

Das Ministerium es nennt das "Papier zur Zukunft der Energieversorgung". Deutsche Firmen zahlten 2025 im Schnitt rund 226 US-Dollar pro Megawattstunde Strom – mehr als doppelt so viel wie US-Unternehmen (ca. 110 Dollar) und deutlich mehr als chinesische Wettbewerber (ca. 89 Dollar). Die Folge: In energieintensiven Branchen ist die Produktion seit 2021 teils um 15–18 Prozent eingebrochen, und seit 2019 hat die Industrie rund 500.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze verloren. Immer mehr Unternehmen verlagern Produktion oder Investitionen ins Ausland, weil hohe Netzentgelte, Umlagen und Systemkosten den Standort unattraktiv machen. Wer international bestehen will, geht dorthin, wo Energie zuverlässig und günstig ist – nicht dorthin, wo der Staat mit immer neuen Subventionen die Folgen einer teuren Energiewende abfedern muss. Unterm Strich kann wohl festgestellt werden, dass diese Energieversorgung keine Zukunft oder Deutschland im weltweiten Wettbewerb keine Zukunft hat, wenn so die Energieversorgung aussehen soll. Verstanden hat man das im Ministerium für Wissenschaft und Umwelt bisher aber irgendwie nicht.


Verfasser: АИИ  |  27.10.2026  |  Text- und Bildinhalte können zum Teil mit oder durch KI generiert sein.
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